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Die feierlichen Eröffnung der Görlitzer Waldorfschule aus Sicht eines gerührten, wenn auch leicht unterkühlten Ohrenzeugen..

 

Am Freitag, dem 03.02.2011 15.00 Uhr fand die offizielle feierliche Eröffnung der Jakob-Böhme-Schule Görlitz statt. Unsere Dresdner Waldorfschule ist wie bekannt die Patin dieser im Sommer 2011 gegründeten Waldorfschule. Momentan werden 19 Schüler der Klassenstufen 1-4 in 2 Klassen unterrichtet. 

Da  die Görlitzer Waldorfschule von der Sächsischen Bildungsagentur erst 14 Tage vor Schuljahresbeginn 2011/12 die Schulgenehmigung erhielt, blieb im Sommer keine Zeit mehr, eine feierliche Eröffnung vorzubereiten und durchzuführen. Diese wurde jetzt nachgeholt.

Die entscheidenden Sitzungen vor Gründung der Schule wurden im Bio-Restaurant des Bahnhofes Görlitz abgehalten. Daher kamen die Verantwortlichen auf die Idee, den feierlichen Festakt in dessen Haupthalle durchzuführen. Eine sehr mutige Entscheidung angesichts des parallel laufenden normalen Bahnhofbetriebes. Auch war man wohl in der Planung der Feier von der optimistischen Variante eines durchweg milden Winter ausgegangen.

Neben zwei Beiträgen der Görlitzer Kinder wurde die kulturelle Umrahmung von der Zirkusgruppe der Emil-Moldt-Schule Berlin und unserem Mittelstufen-Orchester bestritten. Gerade in dieser Stadt, in der die Waldorfpflanze erst noch klein ist, war der Auftritt beider Gruppen sehr überzeugend, den Görlitzer Freunden Mut machend und die Waldorfschule öffentlichkeitswirksam präsentierend.

Es seien mir noch einige Sätze zum Auftritt unserer Dresdener 7. und 8. KlässlerInnen erlaubt. Die Instrumente fuhren im Transporter über die Autobahn und die 55 Schüler + 4 Lehrer mit der Deutschen Bahn. Erst einmal gab es eine Suppe und Tee nach der Ankunft, dann wurden die Instrumente gestimmt, ein schier unmögliches Unterfangen bei den gefühlten minus 5 Grad in der Bahnhofshalle. Eine Probe entfiel aus Zeitgründen, auch wegen der immer sich wieder verstimmenden Instrumente und der Kälte. Rings herum herrschte normaler Bahnhofsbetrieb mit Lärm und Hektik. Einige Reisende waren etwas pikiert, weil sie das Orchester weiträumig umrunden mussten, um ihren Zug zu erreichen.

Mit nur 5 Minuten Verspätung erklang die erste Melodie. Die Bahnhofshalle verwandelte sich in eine Konzerthalle. Die Reisenden verweilten. Noch zweimal spielten unsere Schüler. Zwischendurch hieß es, die Finger im beheizten Nebenraum so gut es ging wieder aufzutauen. Als zum Abschluss Beethovens „Ode an die Freunde“ gespielt wurde und die geladenen Gäste, unterstützt von Reisenden als Chor fungierten, schimmerte es in den Augen neben mir doch verdächtig wässrig.

Das war von den äußeren Umständen her das ungewöhnlichste Konzert, das ich je erlebt habe. Ich bin fest überzeugt, dass Musiker eines Profiorchesters ihre Instrumente wegen Unzumutbarkeit und Nichtmachbarkeit nicht ausgepackt und die ganze Angelegenheit bei einem Milchkaffee im Bio-Cafe des Bahnhofes, in dem die Waldorfschule Görlitz aus der Wiege gehoben wurde, gemütlich begraben hätten. Hochachtung vor den Mittelstufenschülern und den Lehrern unter Leitung von Frau Weidauer.

Erstaunt war ich, mit welcher Gelassenheit die Schüler all die Schwierigkeiten hinnahmen und welche Disziplin und Reife sie dabei an den Tag legten.

 

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